Das ZEITonline-Podcast-Festival
In den Mai kann man auf viele Weisen starten. Einige Menschen tanzen gerne die Nacht durch. Nick Wilcke hingegen war den ganzen Tag und die halbe Nacht auf dem ZEIT Online Podcast Festival. Von Herbert Grönemeyer über Edward Hopper, bis hin zur Sendung mit der Maus war alles dabei.
Foto: Nick Wilcke
Nach dem Motto „Podcasten in den Mai“ fand am 30. April das dritte ZEIT ONLINE Podcast Festival statt. Insgesamt konnten über den Tag hinweg 17 Podcasts nicht nur gesehen, sondern auch gehört werden. Veranstaltet wurde das Festival in dem Westhafen Event und Convention Center in Moabit. Aufgeteilt wurde das Programm auf zwei Bühnen, eine große und eine kleine, und einen Workshop-Raum. Laut ZEIT ONLINE Chefredakteur Jochen Wegner waren mehr als 2.000 Zuschauer und Zuschauerinnen vor Ort.
Ein Thema, ein Gast und ein Geräusch
Nachdem sich um 9.00 Uhr die Pforten öffneten und die ersten Gäste hereingelassen wurden, füllte sich der Saal 1. Um etwa 10.15 Uhr wurde das Festival offiziell von Jochen Wegner eröffnet. Den Auftakt machte „Das Politikteil“, moderiert von Heinrich Wefing und Tina Hildebrandt. Zu Gast war die ZDF-Korrespondentin aus Kairo Golineh Atai, um über die Frauen im Irak zu sprechen. Eine denkwürdige Stunde gleich zu Beginn des Festivals, die zwar in gewohnter Politikteil-manier etwas herunterzieht, aber doch gleichzeitig Hoffnung für die Zukunft dieses tiefgespaltenen Landes machte.
Nach einer kurzen viertelstündigen Pause, in der das ganze Haus einmal durchmixt wurde, machte der Podcast „Und was machst du am Wochenende?“ weiter. Bei den Moderatoren Ilona Hartmann und Christoph Amend war der Sänger Herbert Grönemeyer zu Gast. Wie gewohnt charmant, berichtete er von seinem Wochenende. Ein lockerer Podcast, um die Ernsthaftigkeit des Vorgängerprogramms aufzufangen.
Zu viel zur gleichen Zeit
Schade war da einzig und allein, dass parallel ein weiterer großer Podcast von ZEIT ONLINE in einem anderen Saal aufgenommen wurde: „Ok America“. Sicherlich eine Problematik, die bei 17 Formaten nicht auszuschließen ist, jedoch trotzdem einige Zuschauer geärgert hat. Auch ein Problem waren die Zuschauermassen, die noch vor den Toren warten mussten. Anscheinend war weder das Team von ZEIT ONLINE noch die Veranstalter auf die Massen an Zuschauern vorbereitet. Nächstes Mal sollte man deshalb über weniger Ticketverkäufe, oder über größere Säle nachdenken. Im Laufe des Vormittagsprogramm konnten dann allerdings doch alle Gäste in die Säle kommen, was sich spätestens bei der Mittagspause auch bemerkbar machte. Es wurde voll, sehr voll. Die Schlangen an den zwei Tresen waren dementsprechend lang. Auch ein Grund dafür könnte allerdings der Anachronismus sein, dass man dort nicht mit Karte zahlen konnte. Dass ein modernes Medium wie ZEIT ONLINE so etwas nicht anbietet, ist sehr schade.
Interaktion ist das A und O
Nach der Mittagspause ging es weiter mit dem Werkstattgespräch des „Augen zu“ Podcast vom Herausgeber der ZEIT Florian Illies und deren Chefredakteur Giovanni di Lorenzo. Die erste halbe Stunde sprachen die beiden über ihre Kunstbegriffe und die Entstehung des Podcast. Gewohnt auf einem Niveau, bei dem selbst die hartgesottensten Möchtegern-Intellektuellen zur Suchmaschine ihrer Wahl greifen müssen. In der zweiten Hälfte nahmen die beiden Fragen aus dem Publikum entgegen. Und genau an diesem Punkt zeigte sich die Stärke einer solchen Veranstaltung: die Interaktion. Eigentlich hätte das jeder Podcast an diesem Tag so handhaben sollen. Umso schöner, dass fast jeder folgende Podcast auch daraufsetzt. Der Feuilleton-Podcast der ZEIT „Die sogenannte Gegenwart“ spielte später die ganze Stunde lang den sogenannten Gegenwartscheck. Dabei wird ein Phänomen geschildert, welches die Gegenwart sehr treffend zusammenfassen soll. Am Ende durfte sogar das Publikum Vorschläge einbringen.
Alles gesagt?
Den Abschluss perfekt machte der unendliche Interviewpodcast von ZEIT ONLINE und dem ZEIT-Magazin. Moderiert wird dieser von Jochen Wegner und Christoph Amend, zu Gast war diesmal Armin Maiwald, der Miterfinder der Sendung mit der Maus und die bekannte Stimme hinter der Sendung. Leider stellt sich das Festival damit selbst ein Bein. Wer nach acht Stunden Aufmerksamkeit noch genügend Energie im Tank hat, um diesem zwar sehr unterhaltsamen, aber potenziell stundenlangem Podcast zuzuhören, der hat den vollsten Respekt verdient. Stunde um Stunde, Minute um Minute schrumpfte das Publikum deshalb zusammen. Eine halbe Stunde nach Mitternacht, nach sechseinhalb Stunden Podcast, sagte Maiwald dann sein selbst auserkorenes Schlusswort. Im nächsten Jahr sollte man vielleicht aus Einem, zwei Tage machen, damit „Alles gesagt“ schon am Nachmittag starten kann und man nicht schweren Herzens früher gehen muss. Ansonsten was das Festival allerdings eine gelungene Veranstaltung mit nur wenigen Schwächen. Ein Besuch im nächsten Jahr lohnt sich in jedem Fall.
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